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Faustball in Tansania – Ein Pilotprojekt am Boden

Über ein 3/4 Jahr ist Janos Aicher nun schon als Volontär in Tansania. Vor seiner Abreise versprach er, den Faustball in Tansania vorzustellen. Im folgenden Bericht beschreibt Janos seine Bemühungen, den Kindern der von ihm betreuten Klassen seinen Sport näher zu bringen. Dabei stößt er auch immer wieder auf ungewöhnliche Probleme. Und sei es nur die Beschaffung eines neuen Balles oder die Möglichkeit Kinder beider Geschlechter gemeinsam spielen zu lassen. Hier nun also, in der Reinform aus Singida in Tansania, der Bericht aus der Feder unseres Langen!

Seit nunmehr neun Monaten verweile ich auf tansanischem Boden, genieße die Landschaft, ärgere mich über die trockene Luft. Abgesehen davon freue ich mich täglich auf meine Schulkinder, welche ich unterrichten und zugleich von ihnen lernen darf. In meiner Lehrtätigkeit vermittele ich die englische Sprache und den sportlichen Unterricht und in meiner Lerntätigkeit erlerne und verfeinere ich die Verkehrssprache des ostafrikanischen Raumes Swahili.

Wie überall auf der Welt ist der Fußballsport auch in Tansania sehr angesagt. Jedoch lernen Kinder meist gerne dazu und wenn es um Bewegung geht ist es nicht allzu schwer, sie für Neues zu begeistern. So packte ich irgendwann meinen Faustball aus und vermittelte mit Händen und Füßen das geliebte Ballspiel. Aus meinen beiden Klassen (der 6B und dem Zusammenschluss der siebten Klassen) fanden sich schnell viele begeisterte Kinder; zu viele. Anfangs arbeitete ich noch mit nur einem Ball, da der vorhandene Fußball von Löchern gepeinigt schnell das Zeitliche segnete. Erschwerend kam hinzu, dass natürlich nicht nur jene Kinder mitspielen wollten, die sich zuvor gemeldet hatten, sondern viele Kinder anderer Klassenstufen. Verständlich, denn leider bin ich der einzige Lehrende, der auch Sport unterrichtet, so wie es auf dem Plan zu lesen ist. Jedoch kann einer allein mit einem Ball nur mit einer begrenzten Anzahl an Kindern trainieren.

Somit musste und muss ich täglich den Kindern beibringen, dass ich nur mit meinen Schülern trainieren kann, weil wir sonst zu Viele wären. Enttäuschung bleibt nicht aus, das schlechte Gewissen kommt dabei nicht zu kurz, aber auch nicht die Behinderung des Spiels durch die vielen interessierten Schulkinder, die sich um den Ort des Geschehens versammeln. Jedenfalls fanden sich schnell Kinder, die das Spiel erlernen wollten und so war und bin ich an jedem Tag, an dem ich und die Kinder Zeit finden, draußen und spiele mit ihnen Faustball.

Die Technik war in der Theorie schnell erlernt, in die praktische Umsetzung floss jedoch sehr viel Fußball (vor allem Kopfball) und Volleyball mit ein, sodass der „Diamant“ erst einmal geschliffen werden musste. Wie allgemein bekannt sind Kinder eben Kinder doch genau das erschwert vieles. Eltern und Erzieher/innen und Trainer können davon sicherlich ein Liedchen singen. Unaufmerksamkeit, das plötzliche Verlassen des Spielfeldes, das plötzliche Betreten des Spielfeldes, die „unsaubere“ Technik und der Umgang der Kinder untereinander waren und sind Dinge, die es unter Kontrolle zu halten gilt. Manchmal ist dies aber einfach nicht möglich und ich lasse die Kinder einfach mal machen und beobachte, ob nach dem Austoben noch Motivation für das Faustballspiel vorhanden ist.

Mittlerweile spielen wir mit das Feld in der Breite begrenzenden Stangen und einem Netz (Volleyballnetz), einem neu erworbenen Ball (der jedoch letzte Woche die Luft verlor) und Schülern verschiedener Klassenstufen – je nachdem wie viele Kinder sich melden kann mit Spielern anderer Klassenstufen aufgefüllt werden. Das Augenmerk liegt jedoch auf den Schülern meiner Klasse, da ich zu diesen bereits den Zugang gefunden habe und weiß: Übung macht den Meister. Wie bereits gesagt sind viele Schüler motiviert und gewillt zu Spielen und tun dies sogar selbstständig, wenn ich gerade keine Zeit habe, ihnen aber den Ball aushändige.

Das freut mich sehr. Leider waren die letzten Wochen geprägt von Prüfungen, die keinen Raum für das Spiel gaben und dann standen auch schon die Ferien vor der Tür. Somit bleiben nur noch die siebten Klassen, die auch während der Ferien unterrichtet werden. Mein Fokus liegt nun also auf den siebten Klassen. Ein langfristiger Erfolg ist leider noch nicht in Sicht, denn ich habe noch niemanden gefunden, der meine aktuelle Tätigkeit für mich weiterführen wird. Allerdings bin ich mir sicher, dass sich dieser Sport wenigstens im Kleinen größerer Bekanntheit erfreuen wird, denn die ausgebildeten Kinder sind geeignete Multiplikatoren.

Anmerkung: Ganz interessant ist, dass die Mädchen zu Beginn von den Jungs zurück ins Klassenzimmer geschickt wurden, als ich zum Training aufrief. Viele blieben sogar selbstständig zurück und ließen den Jungs den Vortritt. Grund dafür sind die hiesigen gesellschaftlichen Strukturen, speziell die Geschlechterrollen. Es dauerte eine Weile bis ich das Begriff und auch die Mädchen auf das Feld brachte. Diese waren von Beginn an motiviert, es brauchte nur einen Katalysator – mich. Wenn wir nun spielen so ist es immer noch ungewöhnlich, dass beide Geschlechter gemischtgeschlechtlich zusammenspielen. Oftmals wird ein Jungs vs Mädels Match gefordert. Alte Strukturen können ja aber auch mal aufgebrochen werden und so versuche ich zunehmend wirklich Teams bestehend aus Mädchen und Jungen mit- und gegeneinander spielen zu lassen.

Die nächsten Termine

Auffahrtsturnier Frauenfeld
Mi Mai 24 @09:00 - 18:00